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# W25-Eine SOP zur Bewältigung einer „Naturkatastrophe“

Diese Woche erlebten wir zu Hause eine kleine Überschwemmung. Ein altes Wasserventil in der Küche brach. An einem Arbeitstag war niemand da, und das Wasser lief wie ein kleiner Wasserfall aus dem sechsten Stock nach unten. Zahlreiche Schaulustige versammelten sich. Es war meine erste Beteiligung an einer solchen „Katastrophenbewältigung“. Weil der Ablauf durchaus übertragbar ist, habe ich vorsorglich eine SOP festgehalten.

1\. Informationen zusammenführen. Sobald der Vorfall bestätigt ist, gehören alle Beteiligten in eine gemeinsame Gruppe, damit Fortschritte sofort geteilt und gemeinsam Lösungen gefunden werden. Dazu zählen unter anderem Familie, Straßenverwaltung, Nachbarschaftskomitee, Vermieter und Vermittler.

2\. Als erste Maßnahme weiteren Schaden so weit wie möglich stoppen. Etwa das Hauptwasserventil des Gebäudeteils schließen.

3\. Folgeschäden vermeiden, etwa Strom und Gas abstellen. Das wird leicht vergessen. Während man sich eilig um das Wasser kümmert, droht am Ende vielleicht kein Ertrinken, sondern ein Stromschlag.

4\. Finanzielle Schäden begrenzen. Nach den vorigen Schritten ist die unmittelbare Gefahr weitgehend gestoppt. Nun geht es um die wirtschaftlichen Folgen. Vor Ort sollte man von Anfang an Videos als Belege aufnehmen, denn später müssen Verantwortung und Entschädigung geklärt werden. Besonders bei Schäden an Nachbarwohnungen kommt es darauf an, ob persönlicher Wassergebrauch oder natürliche Alterung des Gebäudes die Ursache war.

5\. Den Ort aufräumen. Ja, erst an fünfter Stelle kommt das Aufräumen. Es ist auch der Schritt mit den geringsten fachlichen Anforderungen.

6\. Alle ähnlichen Schwachstellen beheben. Nach dem Aufräumen nicht nur das gebrochene Ventil reparieren, sondern sämtliche alten Ventile in der Wohnung prüfen und ebenfalls instand setzen.

7\. Die Folgen und Entschädigungen regeln. Das dürfte der schmerzhafteste Schritt sein. Ich sah mir die Wohnung im fünften Stock an. Dort war es schlimmer: Bei uns stand Wasser, bei ihnen regnete es. Wenn man selbst verantwortlich ist, muss man sich auf eine hohe Wasserrechnung, Reparaturen und Entschädigungen einstellen.

Als TODO dieser COE-Retrospektive bleibt fehlendes Monitoring und schlechte Beobachtbarkeit. Die meisten Wohnungen haben heute vielleicht Brandmelder, aber keine Wassermelder. Damit Menschen das Wasser bemerken und Alarm schlagen, muss es erst aus der Wohnung laufen. Eine schlechter gebaute Wohnung kann hier sogar helfen, weil Wasser abfließt. Am besten gäbe es ein Mauseloch. Bei einem Wasserschaden gibt es deshalb meist zwei Zustände: noch erträglich mit kleinem Schaden oder vollständig überflutet. Wie bei Schrödingers Katze weiß man es erst beim Öffnen der Tür. Zum Glück ist unsere Wohnung etwas schlechter gebaut. Wir gehörten zur ersten Gruppe.
